Integration

Kinder sind in der Regel hilfsbereit. Sie sehen dabei nicht das Lebensalter, sie sehen die Notwendigkeit. Ob ein Kind größer oder kleiner ist, ob es behindert oder nichtbehindert ist, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Kinder beobachten viel weniger das, was ein Kind nicht kann, als das, was es kann und mit in das gemeinsame Spiel einbringt.

Das gemeinsame Aufwachsen, Leben und Lernen von all diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sich gegenseitig stützen und anerkennen, helfen, fördern, aber auch fordern, bereichert das Leben jedes Einzelnen. Immer wieder erleben wir im Kinderhausalltag, wie wichtig es ist, mit der Schwäche eines behinderten oder nichtbehinderten Kindes ungehemmt und natürlich umzugehen. Im Vordergrund steht das Kind als gleichberechtigter Mensch und nicht seine Schwäche oder Behinderung. Das Zitat von Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ ist unser wichtigstes Motto.

Es gilt für alle Kinder. Die Wege zum Ziel unterscheiden sich. Das nichtbehinderte Kind ist generell neugierig auf seine Umwelt und ist bestrebt sie zu erobern. Die Fülle der Eindrücke wächst ständig. Das Kind mit erhöhtem Förderbedarf kann seinen Lebensraum oftmals nicht so ohne weiteres erkunden. Seine Motorik entwickelt sich unvollständig oder wesentlich langsamer, die Wahrnehmung ist evtl. gestört. Viele Eindrücke gehen auf diese Weise verloren. Um sowohl dem nichtbehinderten Kind als auch dem behinderten Kind die gleichen Chancen einzuräumen, bedarf es viel Einfühlungsvermögen. Die Montessori-Pädagogik unterstützt uns sehr darin. Die wichtigsten Prinzipien, die vor allem die Integrationsarbeit unterstützen, sind z.B. die freie Wahl der Tätigkeit, welche bereits die vorbereitete Umgebung voraussetzt. Um gemeinsam leben lernen zu können, benötigen wir zunächst einen äußeren Rahmen. Bei uns ist das die vorbereitete Umgebung mit ihren klaren Strukturen und einer überschaubaren Ordnung. Materialien sind so beschaffen, dass sich die Kinder aufgefordert fühlen, damit umzugehen. Sie befassen sich u.a. mit der Sinnesschulung, der Muskelkoordination, der Sprachentwicklung, der Kreativität usw. Jegliches Lernen geschieht über das Tun mit den Händen. Es verläuft über das „Greifen“ zum „Begreifen“. Einige Kinder bedürfen in „sensiblen Phasen“ spezieller Hilfestellung, eventuell auch in Form von Therapien.

Zurzeit haben wir im Kinderhaus 12 Plätze für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Vier Fachkräfte unterstützen die Kinder optimal und halten mit Eltern und Therapeuten einen regelmäßigen Austausch. Sie begleiten Schulentscheidungen, sprechen Probleme an und entwickeln und stellen der Behinderung entsprechende Spielmaterialien zusammen. Die Integration behinderter Kinder verlangt vom Team:

• eine Atmosphäre des Angenommenseins zu schaffen
• jedes Kind in seinen individuellen Fähigkeiten zu bestärken
• unter Berücksichtigung besonderer Eigenarten behinderter Kindern Hilfestellung leisten
• gemeinsame Ziele zu erreichen.

„Wir wollen die Integration der behinderten Kinder nicht dadurch verhindern, dass wir ihnen zuviel Aufmerksamkeit entgegenbringen“. (Maria Montessori)

„Alle sind gleich und doch verschieden. Wie schwierig das manchmal zu verstehen ist, dass der Nachbarhalm unter der gleichen Sonne und demselben Wind ganz anders herangewachsen, größer oder kleiner ist, sich weniger oder mehr im Winde wiegt“. (Maria Montessori)